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Rückschau auf das Vereinsleben der Farster Schützen

 

 

 

                                   Walter Mämpel
 
                           29. Juni 2015

 

 


Entwicklung des Schützenwesens

Das heutige Schützenwesen ist reich an Tradition und Brauchtum. Im Laufe der Jahre formierten sich Völker und gründeten Schützengilden und Schützenbruderschaften, Aus diesen entstand vor 100 Jahren der Deutsche Schützenbund. Dieser vereinheitlichte das Schützenwesen zu Schützenverbänden und Schützenvereinen. Das Schützenwesen der Farster Schützen entwickelte sich aus den Bauernschaften des 19. Jahrhunderts. Parallel wurden im Zeitalter  der Sammler, Jäger und Gemein-schaften Waffen entwickelt, die das Überleben der Menschen sicherten. Verformte Steine, Schleudern, Speere, Pfeile und Bogen und Armbrüste. Heute werden im Schießsport Gewehre und Pistolen sowie im Jugendbereich harmlose Leuchtpunktgewehre eingesetzt.  

In den vergangenen Jahrzehnten wurden die Schützenvereine vor große Herausforderungen gestellt. Nach dem 1. Weltkrieg ruhte das Schützenwesen von 1914 bis 1924 10 Jahre. 1935 musste sich der Deutsche Schützenbund auflösen. Erst nach dem zweiten Weltkrieg erfolgte 1951 nach der Aufhebung des Vereinsverbots durch die britische Militärregierung die Wiederbelebung des Schützenwesens.  
 
1938 gründeten Farster Männer den Schützenverein Isernhagen FB. Sie wählten Friedel Könecke zum Vorsitzenden. Die Kriegs- und Nachkriegsjahre ließen ein Vereinsleben nicht zu. Erst 1956 entschlossen sich ehemalige Mitglieder, den Verein wieder aufleben zu lassen. Einstimmig wählten sie Robert Felies zu ihrem Vorsitzenden.  Es war ein schwerer Anfang ohne Vermögen, Gewehre und Gerätschaft. Die Farster Schützen meisterten diese Schwierigkeiten,  packten an und bauten ihren Verein wieder auf. 1963 wurde Erich Neuhaus zum ersten Vorsitzenden gewählt. Danach übernahm im Jahr 1974 Helmut Hase die Vereinsführung. Ihm folgten im Vorsitz Heiner Saupe, Ferdinand Thomaszko, Jürgen Saupe, Jörg Laes, Hans-Heinrich Redeke und Hans-Peter Mahrholdt. Heute führen die Schützinnen und Schützen den Schützenverein Isernhagen FB von 1938, die unter dem Vorstand aufgelistet sind.  


 Das Umfeld der Farster Schützen

Isernhagen ist eine schützenfreudige Gemeinde bestehend aus den vier Schützenvereinen Isernhagen FB, HB, KB und NB. Diese arbeiten in einer 1963 gegründeten Arbeitsgemeinschaft erfolgreich zusammen und richten gemeinsam in Zusammenarbeit mit der Gemeinde Isernhagen das jährliche Schützenfest aus. Die vier Schützenvereine sind Mitglieder im Unterkreis Burgwedel, dem Kreisschützenverband Burgdorf (KSV), dem Niedersächsischen Sportschützenverband (NSSV) und dem Deutschen Schützenbund (DSB). Die Farster Schützen nehmen jährlich erfolgreich an den schießsportlichen Wettkämpfen dieser Schützenverbände teil.


Schießsportliche Betätigung und geselliges Beisammensein

Das Vereinsziel der Farster Schützen umfasst die schießsportliche Betätigung, Förderung der Jugend, geselliges Beisammensein und die Pflege des Brauchtums und der Tradition. Dieses Ziel begründet ein umfangreiches Vereinsleben, wobei die Hauptaktivität der Herren, Damen und Jugendlichen die schießsportliche Betätigung ist. In den zurückliegenden Jahren koordinierten und organisierten   den Schießsport für die Herren die Schießsportleiter Helmut Haase, Maria Saupe, Frank Wöhler, Heino Lampe, Hans-Peter Mahrholdt und für die Damen die Damenleiterinnen Lotte Haase, Sieglinde Grosser und Irene Brähler.

Farster Schützen zum 75. Bestehen 2013

Die Mitglieder können sich bis ins hohe Alter schießsportlich betätigen und dabei ihre Reaktions- und Konzentrationsfähigkeit stärken. Sie nehmen an schießsportlichen Wettkämpfen ihres Vereines und der Schützenverbände teil und überzeugen durch beachtenswerte Erfolge.  
 
Die Schützenjugend betätigt sich schießsportlich in einem sozial intakten Umfeld. Jeweils im August des Jahres feiern die Schützinnen und Schützen ihr jährliches Schützenfest. Mit den Sparten Schützen, Schützendamen und Schützenjugend sind die Farster Schützen schießsportlich gut aufgestellt. Sie schießen in der Regel mit Luftgewehren, Luftpistolen und Kleinkalibergewehren. Die Schützenjugend bis 12 Jahre schießt mit Lichtpunktgewehren. Allen Mitgliedern steht es frei, an den schießsportlichen Wettbewerben Vereinsmeisterschaft, Kreismeisterschaft, Bezirksmeisterschaft, Landesmeisterschaft, Deutsche Meisterschaft und Ligawettkämpfe teilzunehmen. Beliebt sind Schießen um Pokale Sachpreise, die der Unterhaltung dienen. 

Der besondere schießsportliche Höhepunkt ist das jährlich im August zum isernhagener Schützenfest ausgetragene Königsschießen. Ausgeschossen werden die Majestäten Schützenkönig, Schützenkönigin, Jugendkönig, Lichtpunktkönig, KK-König und Bürgerkönig. Die Vereinskönige nehmen am Kreiskönigsschießen des KSV Burgdorf teil. Ein sehr beliebter Wettkampf in den Wintermonaten ist der Kreisrundenwettkampf des KSV Burgdorf, an dem Mannschaften aus 50 Schützenvereinen teilnehmen. Jeweils drei Schützen und ein Einzelschütze bilden eine Mannschaft und maximal vier Mannschaften einen Rundenwettkampf. Die Wettkämpfe werden von Oktober bis Februar des Folgejahres abwechselnd in den Schützenhäusern der Vereine durchgeführt. Deswegen die treffende Bezeichnung Rundenwettkampf.

Den Zusammenhalt fördernde Veranstaltungen wie Familientag, Vatertagfrühstück,  Adventsfeier, Grillabend, Fahrradtour und Klönabend, zu denen teilweise auch die Bevölkerung eingeladen wird, erweitern das schießsportliche Veranstaltungsangebot. Diese beliebten Veranstaltungen werden vom Festausschuss unter der Leitung von Heidi Leifers und Maria Saupe mit Unterstützung von Schützinnen und Schützen geplant, organisiert und durchgeführt.  


Herausragende Ereignisse des Farster Schützenwesens

Über den Rahmen eines intakten Vereinslebens hinaus überzeugen die Farster Schützen in den vergangenen Jahren durch die konsequente Weiterentwicklung ihres ortseigenen Schützenwesens. Höhepunkte sind der Bau eines repräsentativen Schützenhauses, die Installation elektronischer Schießstände und der Ausbau der Jugendabteilung.        
 
Nachdem zum Leidwesen der Farster Schützen im Jahr 2000 der Bau eines gemeinsamen Schützenhauses der vier isernhagener Schützenvereine gescheitert war, entschlossen sie sich, aus eigener Kraft ein Schützenhaus zu bauen. Sie wussten, dass sie mit nur drei Schießbahnen die Trainingsmöglichkeiten der Mitglieder und deren schießsportliche Qualifizierung nicht verbessern konnten. Der Bestand ihres Vereins war ernstlich gefährdet. Mitglieder betätigten sich in anderen Vereinen, die ihnen das Umfeld für ihre schießsportliche Betätigung boten. Dieser Trend musste kurzfristig gestoppt werden. Der Autor erinnert sich daran, dass er als 2. Vorsitzender mit seinem damaligen Vorsitzenden Helmut Haase jede mögliche Räumlichkeit in Isernhagen FB mit Bezug darauf bewertete, ob ein Ausbau zu einem Schützenhaus möglich war. Retter in der Not war ihre Gemeinde Isernhagen. Sie bot den Farster Schützen für einen Euro die Übernahme des freiwerdenden Asylantenheims am Wienkamp 13 an. Vom Land Niedersachsen pachteten sie für 30 Jahre das Grundstück. Im Jahr 2002 gründeten sie einen Bauausschuss.  

Elektronische Schussanzeige

Die Mitglieder Heiner Saupe, Jürgen Saupe, Berndt Bauer, Frank Wöhler Friedel Schäfer und Walter Mämpel  des Bauausschusses bewerteten die baulichen Gegebenheiten und erstell-ten einen Bauplan. Nachdem sie die Finanzierung durch Sponsoren und über Fördergelder gesichert hatten, begannen sie im November 2002 mit dem Ausbau des Asylantenheims zum Schützenhaus. Unter der Bauleitung von Heiner Saupe entkernten die Mitglieder total das Asylantenheim und erstellten in Eigenleistung ein Schützenhaus mit 11 Schießbahnen, einem Auswerteraum und einem großzügig gestalteten Aufenthaltsbereich. Am 24. Oktober 2003 feierten sie mit vielen Ehrengästen und über 100 Teilnehmern die Einweihung ihres Schützenhauses und präsentierten diesen der Öffentlichkeit am 25. Oktober 2003 zum Tag der Offenen Tür.   

2012 erweiterten sie 9 Schießstände mit einer elektronischen Identifizierung, Auswertung und Darstellung der Schießergebnisse sowie deren wettkampfabhängige Bearbeitung. Damit verfügen die Farster Schützen heute in der Region über einen modernen Schießstand für Luftgewehr- und Pistolenschießen, auf dem auch andere Vereine gerne ihre Schießwettbewerbe durchführen.
 
Die demografische Entwicklung der Bevölkerung führt in Vereinen zur Überalterung der Mitglieder und in Folge zum Mitgliederschwund. Die Jugendleiter der frühen Jahre -  Herbert Bauer, Jürgen Saupe, Friedrich-Wilhelm Wöhler, Dirk Schnehage, Jörg Laes und Ferdinand Thomaszko – stellten sich diesem Trend, indem sie der Schützenjugend stets ein Umfeld des Wohlbefindens, eine sportliche Betätigung und einen Ort der Sicherheit boten.

Jugendleiter und Landesmeister Lichtpunktgewehr 2013

Das Schützenhaus mit dem großzügig gestalteten Schießstand mit 11 Schießbahnen und einem attraktiven Aufenthaltsbereich bot günstige Voraussetzungen für den Aufbau einer leistungsstarken Jugendabteilung mit heute 29 Kindern und Jugendlichen. Dies entspricht einem Anteil von 30% an der Gesamtmitgliederzahl. Diesen Erfolg verdanken die Faster Schützen dem schießsportlich erfahrenen Jugendleiterteam mit Beate Bauer, Herbert Bauer und Björn Schlie und ihrer umsichtigen Betreuung der Jungschützen. Die Schützenjugend ist hervorragend ausgebildet und überzeugt durch ihre Erfolge bei schießsportlichen Wettbewerben. Teilnahmen an Landesmeisterschaften gehören heute zur Tagesordnung. Das jüngste Mitglied des SV Isernhagen FB ist fünf Jahre alt.  


Isernhagener Hahnenschießen

Isernhagen ist mit seinen vier Schützenvereinen eine schützenfreudige Gemeinde. Höhepunkt im isernhagener Schützenwesen ist das alle 7 Jahre auf der Hahle in Isernhagen HB stattfindende Bauernschießen, auch Hahnenschießen genannt. Es lässt sich bis auf das Jahr 1741 zurückverfolgen. Die Schützenvereine Isernhagen FB, HB, KB und NB ermitteln in ihren Vereinen in spannenden Wettkämpfen vor dem Hahnenschießen ihre besten Schützinnen und Schützen. Diese schießen dann während des Schützenfestes beim Bauernschießen auf die Hahnenscheibe. Der Schütze mit dem besten Schießergebnis ist Hahnenkönig. Dieser wird vom Bürgermeister mit dem Silbernen Hahn ausgezeichnet. Die Farster Schützen stellen folgende Hahnenkönige: 1959 Adolf Wöhler, 1973 Helga Wöhler und  2001 Frank Wöhler.  


Das Kreiskönigsschießen

Einen hohen Stellenwert hat das jährlich im Juni in Burgdorf stattfindende Kreiskönigsschießen des Kreisschützenverbandes Burgdorf. Die 50 Schützenvereine des KSV ermitteln in verschiedenen Disziplinen und Altersklassen ihre Vereins-, Gemeinde-, Stadt-, Winter- und Schützenkönige. Die besten Schützinnen und Schützen dieser Vereinswettkämpfe nehmen am Kreiskönigsschießen teil.  Die Schützinnen und Schützen, die in den Altersklassen Jugend, Junioren, Damen und Schützen beim Königsschießen die besten Teiler erzielen, sind die Kreiskönige des laufenden Schützenjahres. Diese herausragenden Kreiskönigswürden erreichten  Maria Saupe 1981, Herbert Bauer 1995, Ursula Baumann 2010 und Hans-Heinrich Redeke 2015. 


Weiterentwicklung des Schießsports

Während der Jubiläumsfeier am 29. Juni 2013 zu ihrem 75. Geburtstag blicken die Farster Schützen stolz auf ein bewegtes Schützenwesen zurück. Aus beschränkten Anfängen heraus  begründeten und schufen sie ein funktionierendes und erfolgreiches örtliches Schützenwesen. Der Bau des Schützenhauses hat ihre Erwartungen voll erfüllt. Die Mitgliederzahl erhöhte sich in den letzten Jahren um 30 %. Eine erfolgreiche Leitung der Sparten Schützen, Damen und Jugend garantiert die Zu-kunftssicherung des Vereines.  

Erfolg generiert Erfolg, man muss ihn nur wollen. Unter der Leitung von Gerhard Möbius nahm der Schützenverein Kirchhorst 2012 Kontakt mit den Farster Schützen auf. Der Schützenverein Kirchhorst hat sich den Farster Schützen angeschlossen. Beide Schützenvereine planten und finanzierten den elektronischen Schießstand, der den Schießsport ideal unterstützt, die Trainingsmöglichkeiten verbessert und zur Leistungssteigerung beiträgt.  
 
Walter Mämpel  
Pressesprecher